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Beruf: Sklavin ? Der deutsche Arbeitsmarkt für Frauen (Vorankündigung)

Auf den Seiten des Ministeriums frohlockt es: Deutschland liegt in Europa auf dem dritten Platz bei der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt. Auch die Arbeitslosigkeit liegt bei Frauen prozentual nicht sehr viel höher als bei Männern, in diesem Land. Frau fragt sich, warum dennoch nur so wenige Frauen eigene oder vom Ehemann unabhängige Einfamilienhäuser kaufen können - mit oder ohne Kredit - als weniger kreditwürdig gelten und Kleinwagen fahren.....?!?

Ein bisschen weitergeblättert entpuppt sich, dass Deutschland auch bei der geschlechtsspezifischen Teilzeitarbeit führt. 46 % der berufstätigen Frauen in Deutschland sind teilzeitbeschäftigt.

Bedeutet das, immerhin noch sozialversicherungspflichtig ? Welchen Anteil hat bei diesen Jobs die geringfügige Beschäftigung ? Und wie viele Frauen sind nicht arbeitslos, weil sie sich als selbstständig oder scheinselbstständig durch Minijobs oder Honorarjobs hangeln, die keine Rente wachsen lassen, die über der Grundsicherung liegt ?  

Das statistische Bundesamt hat eine Broschüre für 2017 ins Netz gestellt, die vielleicht Antworten auf die entsprechenden Fragen gibt oder gezielt vernebelt, das möchten wir in nächster Zeit herausfinden und dann hier zusammenfassen: Das Leben von Frauen und Männern in Europa. Ein statistisches Portrait. 2017

Hier sind jetzt die Ergebnisse:

Aus der EU Studie

Knapp über 70 % der Frauen in Deutschland sind überhaupt beschäftigt.

Davon (!) arbeiten ca 46 % in Teilzeit (in Deutschland ein besonders hoher Anteil).

Frauen verdienen  ca 22 % weniger als männliche Kollegen pro Stunde (je höher der Stundenlohn, desto gravierender der Unterschied).

Sie sind häufiger arbeitslos, allerdings nur um 0,3 % in Deutschland. (Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie sich lieber ‚selbstständig‘ mit Minjobs finanzieren als sich arbeitssuchend zu melden und sich so auch verpflichten, schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung in Kauf zu nehmen, wenn sie in ihrem Ausbildungsberuf nicht vermittelbar sind.

Fast 10 % der Frauen zwischen 24 und 49 sind alleinerziehend (aber nur 1 % der Münner).

Dagegen leben fast 20 % der Männer in diesem Alter allein (teilen also ihr Einkommen nicht – es ist offenbar nicht so, dass die Frauen jenseits des Arbeitsmarktes oder nur mit den Zehenspitzen in diesem alle von irgendeinem Ehemann finanziert würden)  

In Führungspositionen gibt es 29 % Frauen in Deutschland.

KURZUM:

Höchstens 35 % der Frauen in Deutschland sind in der Lage, von ihrem Einkommen alleine angemessen zu leben und eine Rente zu erwirtschaften.  

Sie sind faktisch zur Eheschließung gezwungen, um sich sozial abzusichern. Hinzu kommt noch, dass auch die Beschäftigten häufig selbstständig sind, wobei die tatsächliche Situation und Einkommenslage bei selbstständigen Frauen in der Studie nicht erfasst wird. Selbstständigkeit ist natürlich auch ein Trick, um Frauen (Personen allgemein) aus der Arbeitslosigkeitsstatistik herauszuhalten.  Mit Minijobs und kleinen Aufträgen können z.B. Akademikerinnen sich über Sozialhilfeniveau halten und sich so den Herabsetzungsstrategien der Arbeitsämter, die geisteswissenschaftlich Qualifizierte in der Regel nicht vermitteln können,  entziehen.   

Die Studie erfasst (als EU-Studie) zudem nicht die Unterscheidung zwischen Minijob und  sozialversicherungspflichtiger Teilzeitbeschäftigung.

An den gravierenden Unterschieden in der Bezahlung und dem geringen Anteil an Führungspositionen zeigt sich, dass dies nicht mit freiwilligem Desinteresse zu erklären ist, sondern das Desinteresse durch strategische Geringschätzung erzeugt wird.  

Weiteres:

Das durchschnittliche Lebensalter zeigt noch eine Differenz von ca fünf Jahren (78 gegen 83)

(Frauen trinken weniger Alkohol und rauchen weniger)

Sie haben häufiger einen höheren Bildungsgrad.

Sie verlassen durchschnittlich drei Jahre früher das Elternhaus (22 statt 25).

Fazit: Bildung, Eigenständigkeit, berufliches Engagement bringen nichts. Frauen werden offensichtlich im deutschen Berufsleben so systematisch herabgesetzt, dass sie sich krasse Ungleichheit, die gegen unser Grundgesetz verstößt, gefallen lassen.  Wichtig wäre eine Offensive des Staates und des Arbeitsamtes, Stellen für typische Qualifikationen von Frauen einzurichten und entsprechend auch dem Bildungsniveau entsprechend zu vermitteln.

Stattdessen fördert unsere Kanzlerin, die in der DDR keine Probleme hatte, Physik zu studieren und sich in traditionell männlichen Berufswelten zu behaupten, systematisch Industriezweige mit dem geringstmöglichen Anteil an Frauen, namentlich die Autoindustrie.

Deutsche Schulen und Medien fördern Rollenkonservatismus und qualifizieren Frauen für den sprachlichen Bereich, der kein adäquates wirtschaftliches Feld hat, sondern typischerweise FreiberuflerInnen hervorbringt – da Frauen in Deutschland eben auch nur seltenst mit ihrer Qualifikation in Führungspositionen gelangen.

Das mag mit daran liegen, dass ihre Bereitschaft, bestehende Verhältnisse zu kritisieren, aufgrund ihrer negativen Erfahrung höher ist.  Wenn die Regierung 'Familie' auf ihr Programm schreibt, bedeutet das auch, die wirtschaftliche Zwangsverehelichung von Frauen nicht revidieren zu wollen. Dann kann man kritische Frauen in Führungspositionen aber nicht brauchen.

Entsprechend ist ein Bekenntnis zu einem distanzierten oder ‚merkelschen‘ Verhältnis zu frauenpolitischen Fragestellungen häufig die Bedingung für entsprechende berufliche Entwicklungen – insbesondere in den „Content“-Berufen, die Frauen gemäß staatlich festgelegter Schulausbildung nahegelegt werden.

Eheliche Verhältnisse,  in denen die Frau verheiratet ist, weil sie die Ehe aus wirtschaftlichen Gründen benötigt, sind genuin unfrei. Zudem führt es die Frau in eine Double-Bind-Situation, da sie von dem romantischen Bild der Ehe besonders abhängt, da unter den Partner(inne) ihr Versorgungsanspruch darauf basiert.  Kein Wunder, dass die psychotherapeutischen Praxen in Deutschland überfüllt sind.

Die soziale Situation für Frauen, die diese bewusst wahrnehmen und ihr Leben selbst gestalten wollen, ist strenggenommen Folter und kaum besser als die Clan-gesicherte Verheiratungspraxis des Islam. In Deutschland gibt es aber – wie auch die Unterschiede im Bildungsgrad zeigen – in hoher Zahl Frauen, die genug demokratisches und kulturelles Bewusstsein haben, um diese Situation unerträglich zu finden.

Offensichtlich  wird der öffentliche Einspruch gegen die wirtschaftliche Herabsetzung von Frauen von Medien und in sozialen Gruppen dermaßen unterdrückt, dass dieser politisch handhabbare Makel Deutschlands in den Programmen aller Parteien vollständig ausgeblendet bleibt. Es geht schließlich nicht um bestimmte Berufszweige oder Altersarmut ganz allgemein. So wie die Parteiprogramme diese Teilaspekte aufgreifen, könnten Problemlösungen durchaus wieder nur für die soziale Teilgruppe ‚Mann‘  in Pflegeberufen und Rentenempfang Lösungen bieten, für die Personen eben, die ihr ganzes Leben lang sozialversicherungspflichtig und Vollzeit beschäftigt sind.

Frauen sind also auch politisch nicht repräsentiert. Die spezifische Bezugnahme auf Frauen gilt sogar als verfassungsfeindlich. Da sie wirtschaftlich und kulturell-politisch aber eindeutig aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden, müssen diese Probleme auch so formuliert werden können.

Das war in Deutschland in den 70er und 80er Jahren Standard. Mit dem Rechtsruck der Nachwendezeit ist emanzipatorische Politik völlig verschwunden. Kanzlerin Merkel wurde zwar auch deshalb gewählt, weil die WählerInnen gegen die Alt-Herren-Politik ihrer Partei (und die Blondinen-Kerle-Konkurrenz der Sozialdemokraten) ein positives Zeichen setzen wollten, sie hat die Interessen von Wählerinnen  aber massiv enttäuscht und scheint die Problematik auch überhaupt nicht zu kennen. 

Wenn heute Feminismus diskutiert wird, dann sollte man Judith Butlers Gender-Debatte und ihre Nachfolgerinnen beiseite lassen. Die wirtschaftliche und politische Benachteiligung von Frauen wird nicht im Rekurs auf Freud, Lacan etc.  und die Inszenierung von Geschlechtsidentität gelöst.  Für eine weitere Differenzierung der Studie, die z.B. noch die sexuelle Orientierung berücksichtigt, kann man/frau sich an anderer Stelle einsetzen. 

Die Benachteiligung von Frauen ist absolut offensichtlich und verstößt gravierend gegen Demokratieprinzipien. Sie ist politischem Handeln offensichtlich zugänglich, denn man kann natürlich staatlich Wirtschaftszweige fördern, in denen Frauen beruflich aktiv sind, sowie den Dialog über das Problem der Geringbewertung weiblicher Arbeit, den Seximus der Medien und in Schulen, sowie deren Bereitschaft, sich beruflich (wieder) breiter zu orientieren. 

Bevor sich Deutschland noch weiter verändert durch die Verbindung mit anderen Kulturen und stärker religiösem, patriachal-autoritärem Denken, sollten zumindest in der hiesigen, auch historisch bedingt a´kritisch-demokratischen Kultur aufgewachsene Frauen wieder den Mut finden, politische Ansprüche zu stellen, Privilegien zu kritisieren und dafür zu sorgen, dass sie tatsächlich wahlberechtigt sind und bleiben. 

Demokratien sind entstanden, weil Menschen der Überzeugung waren, dass eine Regierung aus vielen besser ist als eine Tyrannis. In derselben Weise darf man davon ausgehen, dass Gleichberechtigung auch bei der Verteilung des gemeinsamen Staatsvermögens allen zugute kommt. 

FeminismusHeute 05.10.2018 0 96
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05.10.2018 (73 days ago)
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